100 gegen drei

Ich bin letztens über dieses Video gestolpert von 100 Kindern, die gegen drei Fußballer antreten:

Warum haben die Kinder es nicht geschafft? Sie waren deutlich in der Überzahl.
Anscheinend wurden die Kinder jeweils einem von vier Bereichen auf dem Spielfeld zugeteilt und sollten diesen nicht verlassen. Das hat ganz gut geklappt.
Aber ansonsten sieht man, daß die meisten Kinder direkt in Richtung des Balls rennen, zumindest solange er sich in ihrem Bereich befindet.
Die drei Erwachsenen spielen zusammen. Sie begeben sich in günstige Positionen und spielen sich den Ball zu. Soweit, so offensichtlich.
Wenn die Kinder in den Ballbesitz kommen, so kann man erkennen, daß sie nicht unbedingt zusammen spielen. Jeder von ihnen möchte mal an den Ball und deshalb spielen sie zum Teil gegeneinander und verschenken dadurch die Chance gemeinsam einen Erfolg zu erringen.

Der kleine, persönliche Erfolg, mal kurz an den Ball zu kommen, wird in dem Moment als deutlich wichtiger und vor allem leichter erreichbar gewertet als das Ziel ein Tor zu schießen. Statt den Ball dem Kind zu lassen welches ihn hat, wird von allen umstehenden versucht, an den Ball zu kommen, was dazu führt, daß der Ball nach kurzer Zeit in eine zufällige Richtung geschossen wird, wo, da die meisten Kinder bei dem Ball sind, keine Mitspieler der eigenen Mannschaft sind.

Dieses Verhalten in Bezug auf einen kleinen, schnellen Erfolg meine ich öfter beobachten zu können, allerdings nicht bei Kindern sondern bei Erwachsenen um mich herum.

Wenn man sich im Straßenverkehr bewegt wird es besonders deutlich: Alle haben das Ziel möglichst schnell und sicher anzukommen. Trotzdem wird von Einzelnen gedrängelt, geschnitten und abgedrängt, nur um ein kleines Bisschen schneller zu sein, und damit der gesamte Verkehr verlangsamt.

In der Schule, im Studium und im Beruf trifft man immer wieder auf Leute, die, statt sich zu bemühen selbst besser zu werden, ihre Kollegen, Kommilitonen oder Mitschüler schlechter machen um selber besser da zu stehen.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist nicht gewünscht, weil dann ja „die Anderen” etwas bekommen, was ihnen nicht zusteht. Man selber arbeitet ja für sein Geld und die faulen Säcke sollen jetzt einfach so Geld bekommen ohne zu arbeiten? Das geht doch nicht! Dann geht doch keiner mehr arbeiten. (Ich merke gerade, daß ich diesem Thema vielleicht mal einen eigenen Beitrag widmen sollte).

Ist die geistige Leistungsfähigkeit noch immer zu gering bei den entsprechenden Personen, ist es eher ein Problem der Erziehung oder ist es die Unfähigkeit sich in die Lage seiner Mitmenschen hinein zu versetzen? Vielleicht eine Kombination aus allen dreien.

Der Intellekt alleine scheint keinen großen Unterschied zu machen, denn es gibt Menschen, die etwas weniger auf dem Kasten haben und trotzdem nett und rücksichtsvoll sind, genauso wie intelligente Menschen die rücksichtslos und selbstbezogen handeln.

Auch mangelnde Empathie scheint nicht die alleinige Ursache zu sein, denn es gibt Menschen, welche die Gefühle ihres Gegenübers sehr gut lesen können und trotzdem sehr egoistisch agieren, genauso wie es Menschen gibt, die zwar nicht gut mitbekommen, was Andere empfinden, aber sich trotzdem an die Spielregeln halten.

Bei der Erziehung kann man nicht so leicht eine Aussage treffen.
Da jedoch die anderen beiden Punkte als alleinige Ursachen ausscheiden und mir keine weiteren Möglichkeiten einfallen, gehe ich davon aus, daß hier die größte Chance ist unsere Gesellschaft diesbezüglich im Laufe der Zeit positiv zu beeinflussen.

Vielleicht sollten wir schon in der Schule anfangen unseren Kindern etwas Wissen über Spieltheorie zu vermitteln.

Aber vielleicht nehme ich es auch nur verzerrt wahr und die meisten Menschen streben in ihrem Handeln nicht nur ihren persönlichen Vorteil an sondern haben auch den Benefit ihrer Mitmenschen im Blick. Nur fallen die egoistischen und narzisstischen Menschen, wegen deren Verhalten viele andere Menschen Nachteile erleiden, deutlich stärker auf.

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